Schülerinnen und Schüler der Realschule besuchen gemeinsam mit Mitarbeitern des Heidewerks die Euthanasie-Gedenkstätte in Lüneburg
16 Beschäftigte des Heidewerks und 22 Schülerinnen und Schüler des 9. Jahrgangs der Realschule Munster haben vergangene Woche gemeinsam die Euthanasie-Gedenkstätte in Lüneburg besucht. Die Gedenkstätte befindet sich auf dem Gelände der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt, in der 1941 eine „Kinderfachabteilung“ als Teil des nationalsozialistischen Programms zur Ermordung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen, Entwicklungsstörungen oder psychischen Erkrankungen eingerichtet wurde.
Alle Teilnehmenden waren bei der Führung über das Gelände sehr betroffen, als sie verstanden haben, dass Menschen, die zur damaligen Zeit als „nicht bildungsfähig“ oder „erbkrank“ galten, als „lebensunwert“ eingestuft worden sind und durch Medikamentenüberdosierungen, Hunger oder unterlassene Behandlung getötet wurden. Besonders eindrucksvoll war für alle die Dauerausstellung „Lebenswert“ im Wasserturm auf dem Gelände. In dieser wird die Geschichte vieler Opfer anhand von Familiengeschichten, Fotos, Krankenakten und persönlichen Gegenständen erzählt
Silke Wassmann vom Heidewerk e.V. und die Schulsozialarbeiterin Julia Geiseler haben die inklusive Tagesfahrt, die von Fördermitteln des Bundesprogramms „Demokratie leben! Heidekreis“ finanziert worden ist, organisiert und begleitet. Wichtig bei diesem Projekt war beiden eine gute Vorbereitung und sensible Heranführung an das Thema. Beide Gruppen konnten sich im Rahmen von Hospitationstagen im Heidewerk im Vorfeld bereits kennenlernen, was für die SchülerInnen ebenso wie für die Beschäftigten im Heidewerk als sehr bereichernd empfunden wurde.
Für Letztere war die Erkenntnis, dass sie zur damaligen Zeit selbst als „lebensunwert“ galten sehr schmerzhaft, während die Schülerinnen und Schüler nicht begreifen konnten, dass die Menschen, mit denen sie den Tag verbringen, zusammen essen und lachen keine Chance auf ein Überleben gehabt hätten. Umso wichtiger ist es, dass sie sich die Frage stellen, wie wir heute mit Menschen umgehen, die eine Behinderung haben oder auf Hilfe angewiesen sind. Welche Bedeutung haben Menschenwürde und Inklusion?
Trotz der Schwere des Themas und der zu verarbeitenden Eindrücke waren alle Teilnehmenden froh und dankbar, mitgefahren zu sein und freuen sich auf ein nächstes Treffen. Im September ist ein gemeinsames Fußballturnier geplant. Betroffen waren aber auch die Teilnehmenden des Heidewerks, so sagt Benjamin: „Der Besuch der Gedenkstätte war für mich sehr interessant. Ich wusste gar nicht, was in dieser Klinik in Lüneburg passiert ist. In einem Krankenhaus soll man sich eigentlich um Kranke kümmern. Aber hier wurden Kinder durch Ärzte und Schwestern mit Absicht falsch behandelt. Dadurch wurden sie getötet.“
Janine: „Ein kleiner Kinderschuh bleibt mir in Erinnerung. Es ist traurig, wie Kinder mit einer Behinderung behandelt wurden. Auch sie haben ein Recht zu leben. Aber in der NS-Zeit wurden die Menschen aussortiert und umgebracht. Den Eltern wurden dann Lügen über die Krankheit und das Versterben des Kindes erzählt. Alles wurde unter den Teppich gekehrt.“
Sabine: „Dass auch Familien in unserer Nähe betroffen waren, behalte ich in Erinnerung. Sogar ein Junge aus Soltau wurde nach Lüneburg gebracht und ist dort gestorben.“
Daniel: „Ärzte haben Menschen mit geistiger, psychischer und physischer Erkrankung umgebracht. Das finde ich schlimm.“
J.S.: „Ein Foto mit zwei Kindern die spielen, daran erinnere ich mich. Es waren zwei Brüder. Der kleine Junge hatte eine Beeinträchtigung. Man hat ihn aus seiner Familie abgeholt und nach Lüneburg in die Kinderklinik gebracht. Dort ist er schon nach kurzer Zeit gestorben. Das finde ich traurig.



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