Mobbing die Rote Karte zeigen

Starke-Schüler-Ausbildung an der Realschule Munster

Wahrscheinlich würde jede Schule gerne von sich behaupten können, frei von Mobbing zu sein. Doch die Realität sieht an vielen Schulen immer noch anders aus. „Das Problem dabei ist, dass Mobbing in den seltensten Fällen direkt vor den Augen der Lehrkräfte stattfindet“, sagt Simon Huck vom Projekt „Gegemo“ (Gemeinsam gegen Mobbing). Häufig finden Schikanen und Drangsalierungen an Orten statt, an denen es keine Aufsichtsperson gibt. Es muss also von einer sehr hohen Dunkelziffer bei Mobbing ausgegangen werden.

Was außerhalb der Reichweite der zuständigen Lehrkräfte passiert, kann von ihnen auch nicht unterbunden werden. Zudem handeln die Täter oft so geschickt, dass die Lehrkräfte gar nichts mitbekommen. „Die Schülerinnen und Schüler kriegen in der Regel viel mehr mit“, so Huck. Gleichzeitig wollen sich die Betroffenen häufig nicht in erster Linie an Lehrkräfte wenden – vielmehr wünschen sich Schülerinnen und Schüler einen nahezu gleichaltrigen Ansprechpartner. Grund genug für die Realschule Munster zu handeln.

In einer zweitägigen „Starke-Schüler-Ausbildung“ wurden nun 16 Schülerinnen und Schüler des 8. und 9. Jahrgangs im Umgang mit Mobbing und sozialen Konflikten geschult, um jüngeren Schülerinnen und Schülern im Ernstfall helfen zu können. Und wie sieht diese Hilfe aus? „Wir haben gelernt, dass es am besten ist, wenn man eine weitere Person hinzuzieht“, erklärt Teilnehmerin Shirley Emma Goll. Damit gibt man dem Opfer das Gefühl, nicht allein gelassen zu sein und macht es dem Täter schwerer. Und nach bestandener mündlicher Prüfung wurde den Teilnehmenden auch ein entsprechendes Zertifikat ausgehändigt.

Kaja Wölleke hat an dem Projekt teilgenommen, weil sie neugierig war und bereit ist, in Konfliktsituationen zu helfen. „Mir hat das Projekt sehr viel Spaß gemacht, weil die Schulungen häufig spielerisch aufgebaut waren.“ Robin Siedow sieht in der Schulung einen positiven Nutzen für die eigene persönliche Entwicklung: „Vielleicht komme ich in Zukunft noch besser mit anderen Menschen klar, vor allem in Konfliktsituationen.“

Von Seiten der Lehrkräfte hat Fenja Knetsch die Gruppe an beiden Tage begleitet. „Das ist auf jeden Fall ein wichtiges Thema“, sagt sie und möchte das neue Schülerteam auch längerfristig unterstützen.

Während der Pandemie und der Endlosschleife aus Schulschließungen und -öffnungen sind die zwischenmenschlichen Beziehungen und die sozialen Kompetenzen der betroffenen Schülerinnen und Schüler auf der Strecke geblieben. Der Kontakt zu Gleichaltrigen, Klassenkameradinnen und -kameraden fehlte über einen langen Zeitraum, während die sozialen Beziehungen verstärkt auf die Soziale Medien verlagert wurde. „Als Resultat sind die Zahlen der Opfer von Cybermobbing in die Höhe geschossen“, so Huck. Manche Quellen sprechen von einem Anstieg um 36%. Auch die Fallzahlen von Mobbing außerhalb der Sozialen Medien haben einen Boom erlebt. Das stellt die Schulen nun allerorts vor eine große Herausforderung bei der Rückkehr zum normalen Präsenzunterricht. „Dabei geht es primär darum, die Schülerinnen und Schüler wieder aneinander zu gewöhnen und die sozialen Kompetenzen wiederzubeleben, eben das soziale Miteinander neu zu lernen“, erklärt Huck.

Der Grundbaustein für die Etablierung dieses Schüler-Teams wurde bereits auf der schulinternen Lehrerfortbildung im vergangenen Jahr gelegt. Viele weitere Informationen zum Thema Mobbing und über das Projekt „Gegemo“ gibt es unter www.schule-gegen-mobbing.de und www.gegemo.org.

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